5 großartige Alben von Paul McCartney

Julian Mark
4 min readSep 15, 2023
Paul McCartney in 1972. Photo by ETH Library via Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Als ich erst vor gar nicht so langer Zeit begann, mich intensiver mit den Solo-Projekten von McCartney zu befassen, kannte ich den Beatles-Katalog bereits in- und auswendig. Ich glaube, ich hab es relativ lange vor mir hergeschoben, weil ich dachte, dass dem Beatles-Katalog eh nichts das Wasser reichen kann. Wie sich herausstellt, war mein Vorbehalt völlig unbegründet, denn inzwischen höre ich seine Musik rauf und runter. Dies sind meine Favoriten.

Ram (1971)

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften von Paul ist die Liebe zur Musik, die sich in seinen Songs widerspiegelt. Man kann den Enthusiasmus förmlich spüren. Aber Paul ist am besten, wenn es um Melodien geht, die man, einmal gehört, nicht mehr aus dem Kopf bekommt — und Ram ist voll mit Songs wie diesen. Die Produktion ist hell und voll, die Arrangements sind clever und hinter jedem Song verbirgt sich das genau richtige Maß an Experimentierfreude — vom formverändernden Uncle Albert/Admiral Halsey, übers fetzige Monkberry Moon Delight, bis hin zu Heart of the Country, einer lockeren Akustik-Ballade über die Liebe zum Landleben. Besonders charmant sind die Songs, in denen Paul und Linda McCartney gemeinsam zu hören sind. Von Eat at Home zum Beispiel würde eine nicht annähernd so fröhliche Atmosphäre ausgehen, wenn nur er allein den Song gesungen hätte. Ein phänomenales Album, das dem Niveau der besten Beatles-Alben nahe kommt, wenn nicht sogar ebenbürtig ist.

Band on the Run (1973)

Band on the Run ist typisch McCartney: eingängige Melodien, eine reichhaltige Orchestrierung und viele kleine Medleys mit makellosen Übergängen. Aber es ist die großartige Mischung aus Balladen und energiegeladenen Rock-Songs, die es für mich ausmacht. Sei es Bluebird, die sanfte Ballade mit dem Saxofon-Solo, das mir jedes Mal eine Gänsehaut verleiht, oder mein persönlicher Favorit, Let Me Roll It, der Stadion-Hymne, die ich mir trotz des immer wiederkehrenden Gitarren-Licks in einer Dauerschleife anhören könnte. Das Album bietet eine so große Vielfalt und dennoch harmonieren die Songs hervorragend miteinander. Was Paul den anderen Beatles unbestreitbar voraus hatte, ist sein Gespür für massentaugliche Pop-Songs — und das zeigt sich hier in seiner besten Form.

McCartney II (1980)

Dieses Album hat mich beim ersten Mal Hören genauso beeindruckt wie verwirrt. McCartney II ist im Grunde eine Zusammenstellung akustischer Experimente. Hier jagt Paul nicht irgendwelchen Hits hinterher, sondern hat einfach nur Freude am Musikmachen. Er spielt seine übliche Auswahl an akustischen Instrumenten, probiert sich aber auch an Synthesizern, Drum-Machines und allerlei neuen Technologien aus. Nicht jeder Song ist ein Meisterwerk, aber so unkonventionell manche auch sein mögen: Sie bleiben im Kopf hängen. Und die experimentelle Atmosphäre sorgt zumindest für mich dafür, dass ich immer wieder auf sie zurückkomme. Definitiv eine der schrägsten und gewagtesten Veröffentlichungen seiner Karriere. Ein Album, das zu Beginn vielleicht ein wenig mehr Toleranz fordert, aber mit der Zeit immer faszinierender wird.

Flowers in the Dirt (1989)

Paul ließ in den 1980er-Jahren viel zu wünschen übrig, aber dieses Album halte ich für eine Rückkehr zu alter Stärke. Obwohl ich mit Elvis Costello nie so richtig etwas anfangen konnte, sind die Kollaborationen zwischen den beiden hier ein absolutes Highlight. Vielleicht braucht Paul einfach jemanden wie damals John, um das Beste in ihm hervorzubringen. Die herausragendsten Songs sind jedoch diejenigen, die die behagliche Atmosphäre seiner Musik aus den 70er-Jahren wieder aufleben lassen. Die Abfolge der Songs Distractions, We Got Married, Put It There, Figure of Eight und This One, zählt zu den besten Aneinanderreihungen auf einem McCartney-Album seit Band on the Run. Und obwohl die Texte nicht gerade das Level von einem Dylan erreichen, sind seine Songs so catchy, dass sie letztendlich nicht so entscheidend sind.

Chaos and Creation in the Backyard (2005)

Dieses Album ist emotional tiefgründiger, als man es normalerweise von Paul erwarten würde. Rock-Hymnen à la Live and Let Die sucht man hier vergeblich. Viele der Songs haben eine vergleichsweise dunkle und eindringliche Atmosphäre, allerdings behandelt er seine Themen auf eine erbauliche Art und Weise, und die Melodien sind wie immer eingängig und angenehm anzuhören. Die Produktion von Nigel Godrich (Radiohead) ist subtil, aber dennoch kraftvoll und ganz auf die Anforderungen der Songs abgestimmt. Gelegentlich werden Streicher eingesetzt, aber ohne, dass es übertrieben wirkt. Fast alle anderen Instrumente werden von Paul gespielt. Es ist schwer, ein Highlight hervorzuheben — wirklich jeder Song ist großartig — aber das atmosphärische Riding to Vanity Fair gefällt mir besonders, und die Akustik-Ballade Jenny Wren gehört für mich zu den besten Songs, die Paul jemals hervorgebracht hat.

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