5 großartige Alben von Nina Simone

Julian Mark
3 min readSep 25, 2023
Nina Simone in 1969. Photo by Gerrit de Bruin via Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Nina Simone ist meine go-to Musik, wenn alle anderen Stricke reißen. Wenn alles andere zu anstrengend oder zu anspruchsvoll ist — Nina geht einfach immer. Mittlerweile habe ich fast alle ihre Alben gehört und bin zuversichtlich, eine kleine Auswahl an Favoriten zusammenstellen zu können.

Little Girl Blue (1958)

Nina Simone zu hören ist, wie einen Kurs über verschiedene Musikrichtungen zu besuchen. Manchmal kann eine so enorme Bandbreite an Stilen zur Folge haben, dass sich die atemberaubenden Songs neben welchen befinden, die einen vergleichsweise geringen Eindruck hinterlassen — aber das Debüt von Nina Simone ist von Anfang bis Ende großartig. Little Girl Blue umfasst nicht nur Jazz-Standards, sondern auch Blues, Folk, Gospel und natürlich den Soul. Ihre Stimme ist so fesselnd wie immer, aber was man auf diesem Album besonders spürt, ist ihre Liebe fürs klassische Klavier. Und die minimale Besetzung bringt ihre erstaunlichen Talente an den Tasten wunderbar zur Geltung.

Pastel Blues (1965)

Was als relativ sanftes Vocal-Jazz-Album mit einfacher Produktion und gefühlvollen Texten beginnt, ändert sich drastisch auf der zweiten Seite des Albums. Mit einer spärlichen Klavierbegleitung und ihrer ausdrucksstarken Stimme wird Strange Fruit, ein erschütternder Song über rassistische Lynchmorde in Amerika, zu einem der düstersten Songs in ihrem Repertoire. Der 10-minütige Epos Sinnerman hingegen, ein Song über einen Sünder, der dem Zorn Gottes am Tag des Jüngsten Gerichts zu entkommen versucht, wird mit jeder Minute intensiver und bringt die außerordentliche Stärke von Nina als Sängerin zur Geltung, wie kein anderer.

Wild is the Wind (1966)

Dieses Album ist wie geschaffen, um es in einer verrauchten, gedämpft beleuchteten Bar in den späten Abendstunden zu hören. Nachdem ich etwas über ihre Depression zur Zeit der Aufnahme des Albums gelesen habe, verstehe ich es ein bisschen besser. Die Art und Weise, wie sie ihre Songs vorträgt, fühlt sich hier besonders authentisch an. Jedes Leid, das sie singt, wird ihr eigenes. Zwar gibt es auch ein paar weniger schwerwiegende Songs, aber selbst die haben ein gewisse Mitternachtsatmosphäre, die sie von ihren anderen Alben abhebt.

High Priestess of Soul (1967)

Dieses Album klingt fast schon wie ein Best-of und umfasst ein breiteres Spektrum an Stilen, als der Titel vermuten ließe. Nina und ihre Band sind in absoluter Höchstform und es gibt einige Tracks, die zu den besten ihrer Karriere gezählt werden können. Die minimalistische Eigenkomposition Come Ye wird durch ihren repetitiven, afrikanisch-angehauchten Rhythmus zu einem der spirituellsten Songs in ihrem Repertoire. Mein persönliches Highlight, Keeper of the Flame, entspricht der düsteren Stimmung, die man von einem Nina Simone-Song erwartet und bringt ihr Gespür für Atmosphäre zur Geltung, wie kaum ein anderer. Insgesamt hat High Priestess of Soul zwar nicht die Schwere der vorigen beiden Alben, aber dafür bietet es eine große Vielfalt und eignet sich hervorragend, wenn man sich einen Überblick über ihre enorme Bandbreite verschaffen will.

Silk & Soul (1967)

Wie der Titel schon verrät, handelt es sich hierbei um ein reines Soul-Album mit einem etwas zugänglicheren und leichter zu verdauenden Sound. Zwar gibt es vergleichsweise wenige Songs, die wirklich herausstechen, aber dass sie sich zur Abwechslung nur einem Stil verschrieben hat, macht Silk & Soul zu einem guten Album, das sich in Anwesenheit von Gesellschaft auflegen lässt. Die Band ist relativ klein, was den Songs ein etwas intimeres Gefühl verleiht. Es gibt viele eingängige Melodien, sanfte Blues-Balladen und die meisten Songs strahlen einen gewissen Frohsinn aus, der in ihrer Musik selten zu finden ist.

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