5 traurige Alben, die man gehört haben sollte

Julian Mark
3 min readMay 8, 2023

Manchmal ist am besten, den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Von den Alben, die sich mir in der Vergangenheit als therapeutisch erwiesen haben, stehen diese an oberster Stelle.

Joni Mitchell — Blue (1971)

Joni gehört zu meinen absoluten Lieblingsinterpreten, daher konnte ich sie einfach nicht unerwähnt lassen, und ich kenne wenige Alben, die so aufrichtig sind Blue. Hier werde wirklich alle Wunden offengelegt. Man spürt, wie persönlich Joni ihre Texte sind. Ihr Gesang ist so ausdrucksstark und hat gleichzeitig etwas total Besänftigendes an sich. Ich liebe es, wie sich ihre Stimme scheinbar mühelos von schwebenden Höhen zu düsteren Tiefen bewegt. Und dass sie sich meist nur mit einem Instrument begleitet, oft dem Klavier oder der Gitarre, trägt auf wunderbare Weise zur intimen Atmosphäre bei.

The Cure — Pornography (1982)

Melancholie findet man in den meisten Alben von The Cure, aber dieses ist ein regelrechter Trip in die Tiefen der existenziellen Verzweiflung. Schon die erste Zeile “It doesn’t matter if we all die“ gibt den Ton für das gesamte Album vor. Gequälte Gesänge von Robert Smith sind allgegenwärtig, die psychedelischen Gitarrenriffs klingen wie aus einem Horrortrip, und durch das unerbittliche Schlagzeug wird die beklemmende Atmosphäre permanent aufrechterhalten. Das sind Songs, die laut aufgedreht werden müssen. Für Tage, an denen es sich anfühlt, als stünde man allein gegen die Welt. Ein phänomenaler Abschluss der frühen Gothic-Rock-Ära von The Cure, und für mich ihr insgesamt bestes Album.

Mark Hollis — Mark Hollis (1998)

Der Sound von Mark Hollis’ (Talk Talk) einzigem Solo-Album ist wirklich schwer zu beschreiben. Das Album verbindet Elemente aus Folk, Jazz und moderner Klassik auf eine Weise, die ich so noch nie gehört habe. Die Poesie-artigen Texte drücken mehr ein Gefühl aus, als dass sie eine Geschichte erzählen. Die Instrumentierung ist komplett akustisch. Meist sind Klavier oder Gitarre zu hören, aber oft nur ganz spärlich und mit viel Raum zur Ruhe. Bei einigen Songs hört man Mark Hollis‘ Stuhl im Hintergrund knarren. Mal hört man ausschweifende Improvisationen verschiedener Holzblasinstrumente, mal spielen sie ganz zaghaft und als ob sie nicht wüssten, wohin der Song sie führen wird. Ein sehr melancholisches Album, das ich jedes Mal in der Stille ausklingen lasse.

Bonnie 'Prince' Billy – I See a Darkness (1999)

I See a Darkness ist ein passender Titel für dieses Indie-Folk-Album. Die Texte sind düster und pessimistisch, und der zittrige Gesang von Will Oldham klingt, als ob er mit dem Leben abgeschlossen hätte. Durch die minimalistische Instrumentierung wird die Endzeit-Stimmung noch mehr hervorgehoben. Die Instrumente werden spärlich und unpräzise gespielt, hin und wieder hört man ein paar zaghafte Anschläge auf dem Klavier. Ohne Zweifel das deprimierendste Album in dieser Liste, aber ich finde, es fängt dieses Gefühl der Leere wirklich gut ein.

Nick Cave & The Bad Seeds — Ghosteen (2019)

Nick Cave beherrscht die Kunst, Songs mit einem Höhepunkt zu schreiben, die mir jedes Mal eine Gänsehaut verleihen. Die elektronischen Klangatmosphären der Synthesizer sind unfassbar eindringlich, und die Art und Weise, wie Nick Cave die herzzerreißenden Texte mit seiner tiefen Stimme halb singt, halb vorliest, geht unter die Haut. Spinning Song, Sun Forest und Ghosteen gehören zu den deprimierendsten Songs, die ich je gehört habe, aber man kann auch Trost in ihnen finden. Das Album ist echt heavy, vor allem, wenn man etwas über seine Entstehungsgeschichte weiß, aber auf jeden Fall hörenswert.

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